Sechs lange Wochen blieben die Kassen der Friseure leer. Die angeordnete Corona-Zwangspause hat die Friseurbranche schwer getroffen. Die Stundensätze sind oftmals gering, Rücklagen kaum vorhanden. Das ohnehin schon niedrige Lohnniveau schrumpfte durch die Kurzarbeit noch weiter. Und auch nach der Wiedereröffnung sind die Sorgen längst nicht gebannt. Die entgangenen Umsätze können größtenteils nicht mehr nachgeholt werden, gleichzeitig sind durch die umfassenden Hygienemaßnahmen neue Kosten entstanden.

Das Friseurhandwerk erfülle eine wichtige Gemeinwohl-Funktion. Zudem zählt das Friseurhandwerk mit seinen rund 21.000 Auszubildenden seit vielen Jahren zu den Top-Ausbildern im Handwerk. Die andauernde Pandemie Situation gefährde die Ausbildungsleistung jedoch. Auch um weiterhin im erforderlichen qualitativen und quantitativen Umfang ausbilden zu können, fordert der Zentral Verband des Friseurhandwerks, deshalb Hilfe und Unterstützung von der Politik in den folgenden Bereichen:

  1. Der ZV fordert einen Ausbildungszuschuss als Einmalzahlung in Höhe von mindestens 75 Prozent der gesetzlichen oder höheren tarifliche Ausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten.
  2. Zudem sei eine bessere Gewährleistung der Kinderbetreuung und Beschulung nötig , um Mitarbeitern zu ermöglichen, in den Friseurbetrieben ihre Arbeitskraft einsetzen zu können.
  3. Im Bereich des Kurzarbeitergeldes (KuG) stelle die Wartezeit zwischen Bewilligung und Auszahlung für das Friseurhandwerk andauernd ein Problem dar. Grundsätzlich müssten Auszubildende und Minijobs zur Schließung der bestehenden Unterstützungslücke einbezogen werden.
  4. Die 2006 eingeführte vorgezogene Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge sse zur Liquiditätsverbesserung wieder auf den Prüfstand.
  5. Im Bereich der Zuschüsse und Förderkredite sei eine Nachjustierung unter Berücksichtigung des Umstandes nötig, dass in der Regel Betriebe unter zehn Mitarbeitern keinen KfW-Schnellkredit mit 100-prozentiger Haftungsfreistellung bekommen können, während Betriebe mit nur wenigen Mitarbeitern mehr, in vielen Länder überhaupt nicht in den Genuss der dringend benötigten Zuschüsse kommen können. Die landesunterschiedliche Behandlung in diesem Bereich sei inakzeptabel, so der ZV.
  6. Als besonders vom Shutdown und den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Kontaktminimierungsgebote sowie strengen Hygiene- und Infektionsschutzanforderungen betroffene Branche, benötige das Friseurhandwerk zusätzliche Steuererleichterungen und Entlastungen. Konkret fordert der ZV eine Reduzierung der Umsatzsteuer auf 7 Prozent. Diese Maßnahme sei auch zur Korrektur struktureller Verwerfungen im Bereich umsatzsteuerfreier Soloselbständigkeit und verbreiteter Schwarzarbeit notwendig.
  7. In Fällen behördlich angeordneter Betriebsschließungen müsse das Infektionsschutzgesetz (IfSG) ergänzt werden. “Es muss eine Rechtsgrundlage geschaffen werden, dass auch bei Betriebsschließungen, die im Ergebnis wie ein umfassendes Tätigkeitsverbot für alle Arbeitnehmer eines Betriebes wirkt, die Möglichkeit einer Entschädigung für Arbeitgeber analog § 56 Abs. 1 IfSG besteht.  Das Landgericht Heilbronn hatte einen Anspruch auf Entschädigung erst kürzlich verneint.

Der Zeitpunkt für die Forderungen ist günstig. Die Bundesregierung schießt derzeit finanziell aus allen Rohren, um die Wirtschaft vor einer Abwärtsspirale zu bewahren. Mit seinen milliardenschweren Kreditprogrammen, dem erhöhten Kurzarbeitergeld und diversen weiteren Maßnahmen greift der Bund tief in die Tasche. Die Staatsverschuldung dürfte durch die Corona-Krise von rund 60 Prozent auf schätzungsweise 75 Prozent steigen – wenn nicht sogar noch weiter. Auch Rufe nach branchenspezifischen Hilfen werden gehört. Der ZV hebt also zur rechten Zeit den Finger.

Von der Zahl der Mitglieder und deren Bereitschaft zu aktiver Mitarbeit hängt es ab, ob sich unsere Innung auch in Zukunft als eine moderne, handlungsfähige Organisation präsentieren kann, die sich mit Nachdruck dort Gehör verschafft, wo dies zum Wohle Ihres Handwerks wichtig und notwendig ist. Durch Ihre Mitgliedschaft stärken Sie die Forderungen des Friseurhandwerks bei der Politik, den nur durch ein gemeinsames Auftreten können wir unsere Ziele erreichen. Denken Sie daran, werden auch Sie Mitglied bei uns!